Die Behandlung
Ein Schüler, der gern Fußball spielte,
diverse Fünfer nur erzielte.
Daraufhin schrieb der Klassenleiter:
Mit Ihrem Sohn geht's so nicht weiter.
Der Vater sprach: Den faulen Schlingeln,
den werd ich auf die Beine bringeln.
Die Mutter sprach: Das arme Kind
ist sicher krank. Zum Arzt geschwind!
Der Arzt besieht ihn vorn und hinten,
kann aber keine Krankheit finden.
Drum sagte er: Ja, es besteht
die Neigung zur Nervosität!
Zudem ist es nach seiner Meinung
auch eine Pubertätserscheinung.
Man nehme drum Phenylamin-
disulfoferripyridin
des Morgens früh auf leeren Magen.
Die Rechnung folgt in 14 Tagen.
Der Schüler nur mit Widerwillen
schluckt einige von diesen Pillen
Und alles hält nun an den Atem,
um zu erwarten Resultaten.
Er schreibt jedoch, trotz Therapie
ein Nichtgenügend, wie noch nie.
Und wieder schreibt der Klassenleiter:
Mit Ihrem Sohn gehts nicht mehr weiter!
Dieweil versagen alle Drogen
bringt man den Sohn zum Psychologen.
Der soll nun, statt mit Gift zu füttern,
ihn gründlich psychoanalittern,
Der Psychologe nimmt den Knaben
und sagt: Das werden wir gleich haben.
Setz' Dich nur dort auf jenen Schragen
und achte gut auf meine Fragen.
Wohlan! Zähl auf von Jahren - dreien
die umgekehrten Mahlzeitreihen.
Der Schüler wühlt in seinem Innern,
kann sich jedoch nicht mehr erinnern.
Der Mann er sieht aus der Verhörung
Ergebnis ist Gedächtnisstörung.
Nun sagt zu ihm der Psychologe:
Antworte auf die zweite Froge!
Worin besteht die Relation
von Besenstiel und Grammophon?
Doch leider ist mit diesen Dingen
Vom Schüler nichts herauszubringen.
Der Mann er sieht aus der Vernehmung,
es kommt dazu Verstandeshemmung.
Es bleibt ein nicht ganz klarer Rest,
drum schreitet er zum dritten Test.
Er sagt: Von Federn, Heften, Büchern,
Zahnbürsten, Lehrern, Taschentüchern,
von Schuhwichsdosen, Wäschekübel -
was scheint dir nun das kleinste Übel?
Der Schüler sagt darauf bescheiden:
Ich kann sie allesamt nicht leiden.
Aha! nun ist es klar bewosen,
hier handelt sich's um Angstpsychosen!
Nun tunkt der Mann die Feder voll
und schreibt sogleich das Protokoll:
Der Knabe leidet an verdeckten
diversen psychischen Affekten.
Auch steckt in ihm wie ein Gewächs
ein alter Ödipuskomplex.
Es hat sich nun auf lange Sichten
danach die Therapie zu richten.
Das Beste ist ganz ohne Frage
dosierte Seelenrandmassage.
Der Schüler wird nun abgeführt
und täglich seelenrandmassiert.
Und erhofft von der Behandlung
sich eine rasche Geisteswandlung.
Doch das ist das Bedauerliche -
im Heft sind noch mehr rote Striche.
Nun schreibt sogar die Direktion:
Am Rand des Unheils steht Ihr Sohn.
Der Vater rauft sich seine Glatzen:
Was tu' ich nur mit diesem Fratzen?
Wie er so geht in seinem Trauern,
da trifft er einen alten Bauern.
Er geht mit ihm ein Stückchen weit
und kommt zu sprechen auf sein Leid.
Wir können nicht den Schlingel retten
mit Geistmassieren und Tabletten.
Der Bauer sagt: Massier' ihn hinten,
das übrige wird sich dann finden.
Wenn ich das tu' mit sturen Eseln
ist's immer von Erfolg gewesen.
Der Vater sagt: Das ist plausibel
und holt den Buben in sein Stübel.
Dann nimmt er frische Birkensprossen,
um zu massieren seine Hosen.
Und siehe - oh Mirakulum!
auf einmal dreht das Ding sich um.
Die Striche nehmen ab, die roten,
es bessern sich die schlimmen Noten.
Da spricht der Arzt: Es ist erreicht,
Keine Methode meiner gleicht.
Der Psychologe nimmt Papier
und schreibt: Mein Herr, das dankt Ihr mir!
Der Fußball aber denkt: Nanu,
Warum hab' ich auf einmal Ruh?
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